Heute ist Samstag, die Stimmung ist relaxed, höchstens durch kürzlich eingetroffene Wochenend-
Urlauber etwas nervig. Seitdem Morgen, der 11.00 Uhr anfing schreien in regelmäßigen Abständen
Kinder (Babies) und Männer (Fußballfans). Doch begann unser Urlaub eigentlich doch schon mit
der Anreise am Dienstag.
Ironischer Weise verlief die Ausreise aus Deutschland ohne irgendwelche Komplikationen. Auch
Österreich, welches Deutschland in Sachen Politik in nichts nachsteht, konnte ohne Hürde
genommen werden. Italien bereitete uns voraussehbare Probleme in Sachen Hinweisschilder, die
wir aber als ungefährlich einstuften; leider zu unrecht, wie wir im Nachhinein befanden, da wir uns
aufgrund gekonnter, aber unbeabsichtigter Fahrmanöver abhängten und uns bis in Slowenien nicht
wiederfanden.
Nachdem alles unter Regie von Nad ausgepackt und grob sortiert wurde, mussten die Zelte
aufgestellt werden. Begonnen wurde mit den Größten (Nad/Tommi und Julian/Caro), welche ohne
Mühe alle Beteiligten gefasst hätten. Aber Umstand und Luxus sind uns allen keine Feinde, und so
folgten zwei weitere Zelte zu je einer Person. Nachdem ich mein Zelt in Rekordzeit und
mustergültig erbaut hatte, die größte Luftmatraze von allen hineingesteckt hatte, schaute ich voll
Stolz erst auf mein Zelt und anschließend auf das von Thorsten; und wurde in meinem Stolz nur
noch bestärkt.
Dies gelang uns, mit kurzen Unterbrechungen bis Donnerstag Abend. Bis dahin haben wir andere
Wasserstellen besucht, den Pizzadienst ausprobiert, unsere Aufwärmkünste auf die Probe gestellt
und natürlich die Unterwasserkultur inspiziert. Richtig in Bewegung fielen wir Donnerstag Abend.
Da sind wir doch tatsächlich 200 m gelaufen und haben Zigaretten gekauft und ein Eis
geschlabbert. Natürlich alles innerhalb der Anlage. Auf dem Rückweg entdeckten wir dann auch
den Abendessen-Spender für diesen Abend, das von unserem Stellplatz maximal 20 m entfernte
„Buffet-Sport“, in dem wir auch gleich das für unser Frühstück erforderliche Weißbrot mitgehen
ließen. Der Abend klang aus, wie auch die Abende zuvor, mit viel Bier pro Person.
Um unserer Trägheit ein Ende zu bereiten, zumindest symbolisch, entschlossen wir uns am Freitag
das nahe gelegene Örtli Vrsar zu besuchen, ein Unterfangen, welches von Erfolg gekrönt werden
sollte.
Es war also Samstag und wir brachten die Zeit durch den Tag, in dem wir wieder einmal die für
jeden entspannendste Haltung suchten und an nahmen, unterbrochen nur durch Nahrungsaufnahme
und der damit verbundenen Arbeit. Die Anwesenheit der Neuankömmlinge war leider nicht zu
übersehen, so dass auch im Wasser mehr los war, als bisher. Boote, Jetski und dererlei störten in
gewisser Weise unsere sonst ausgeglichene Harmonie, und zumindest bei mir konnte ich eine
leichte Zunahme des Stresses verbuchen.
Sonntag, ein weiterer Tag als Gespielen der Wochenend-Urlauber, wurde mit Schlafen, Baden und
Lesen verbracht, ähnlich der Tage zuvor. Nach Mittag setzten sich zwei „fanatische“ Formel-1 Fans
ab in das nahe gelegene „Buffet-Sport“, in dem sich glücklicherweise ein Fernseher befand, der,
(o Fortuna, sei gepriesen), das Formel-1 Rennen ausstrahlte. Fazit des Rennen: Villeneuve wurde
Fünfter, ... von hinten.
Montag ward, und es sollte ein Ausflug nach Pula gemacht werden. Aber aufgrund allgemeiner
Unlust wurde dieser Plan auf den nächsten Tag verschoben. Stattdessen bewegte uns ein
unmittelbares Problem. So legte Julian etliche Schweigeminuten ein, die es ihm auch nicht
erlaubten uns den Grund für seine Trauer mitzuteilen. Einher gingen noch Fasten und in
Enthaltsamkeit leben, was auch das Spaßhaben mit ihm erschwerte. Den ganzen Tag dauerte diese
Geiselung und konnte zu unser aller Glück und Zufriedenheit durch die heilsamen Worte der holden
Caro noch am Abend beendet werden. An dem Selbigen beschlossen Thorsten und ich am Strand zu
nächtigen, als sich uns, oder wohl eher mir, da Thorsten tief und fest schlief und auch des
Schnarchens nicht abgeneigt war, ein Naturschauspiel sondergleichen darbot. Es begab sich, dass
der Himmel immer weniger Sterne preisgab und auch der Wind zu nahm. Gegen Morgen wurde ich
von dumpfen Grollen geweckt und konnte am Horizont gewaltige Blitze und schnell
vorüberziehende Gewitterwolken erblicken, die mich nicht mehr zu Schlaf kommen ließen. Diese
Ereignis vollführte sich mindestens eine Stunde, und als ich diese besagten Wolken bedrohlich
schnell dem Ufer entgegen ziehen sah, immer begleitet von reichlichen Energie-Entladungen und
schneller darauf folgenden Donnern, wurde mir doch etwas komisch zu Mute und ich beschloss uns
zu wecken und ins Zelt zurück zu gehen, in baldiger Erwartung von Regen. Und so begab es sich
dann auch; der Wind wurde stärker und trotz der frühen Stunde war der halbe Zeltplatz auf den
Beinen frei herumstehendes und ungeschütztes Hab zu sichern und in Deckung zu bringen. Bald
darauf setzte auch der Regen ein und brachte uns die lang ersehnte Abkühlung.
Als man am nächsten Tag das Zelt verließ, verschaffte man sich erst einmal einen Überblick über
das Ausmaß des Schadens und musste überrascht feststellen, dass jeder überlebt hatte, ja sogar
Thorstens Zelt, in seiner Statik einmalig und ein Paradoxum schien dem Sturm und Regen getrotzt
zu haben. Obgleich keiner zu sagen vermochte, ob der eine Bogen wirklich da und der andere
Knick wirklich dort gewesen war.
Und wieder erfolgte ein Tag der maximalen Entspannung. Die, die Baden gingen konnten
feststellen, dass die See weitaus mehr tobte, als in den vergangenen Tagen. Auch der starke Wind
trug dazu bei, dass am Wasser kein richtiges Badewannenfeeling auf kam, so dass man nach kurzer
Zeit der Abkühlung schon fast unterkühlt war und die tobende See mangels Speckschwarten wieder
verließ. Des weiteren wurden Bücher gewälzt, Scrabble gespielt, geraucht und geschlafen, und Flöte
gespielt. Leider stellte sich heraus, dass es gar keine Zauberflöte war, und außerdem fehlten zwei
Löcher. Der Abend wurde großteils wieder am Strand verbracht, wo die Mehrheit der neu
erstandenen Bierreserven vertilgt wurde. Den Jungens Kurzweil und den Mädchen Komik brachte
das Volleyballspielen, obwohl es später am Abend der minderen Helligkeit wegen nur noch ein
Fangspiel war und selbst das uns dermaßen überforderte, dass der Ball im Wasser landete. Doch
Thorsten stürzte sich unerschrocken in die Fluten, ungeachtet der Tatsache ohne Brille nichts sehen
zu können, und da es noch dunkel war...
Der folgende Tag nahm sich ein Beispiel am vergangenem. Maximale Entspannung, lesen, spielen
tralala. Es wurde beschlossen fürs Abendessen einen Ort zu besuchen, der Pazin genannt wurde.
Julian oblag die Auswahl, und er wählte aufgrund Vorhandenseins einer Festung, zweier
unterschiedlicher Kirchen und einer Grotte die besagte Ansammlung von Häusern. So machten wir
uns auf den Weg und fanden trotz Mangels einer detaillierten Karte Pazin ohne Umwege. Wir
verließen die Autos auf einem großen Stadionparkplatz und schlenderten ins Zentrum. Nach einiger
Zeit und Wegen und Irrwegen begannen manche an den Lesefähigkeiten Julians zu zweifeln. Wir
setzten den Rückweg zu den Autos an, als wir ein Schild mit einer Burg darauf sahen und
beschlossen hin zu fahren. An der Festung angekommen bestaunten wir das Panorama, machten ein
Smoke-In und beschlossen wieder Richtung Küste zu fahren, um eine Lokalität zu finden, in der wir
unser Abendessen zu uns nehmen konnten. Nun gestaltete sich die Rückfahrt schwieriger, als
angenommen, da, wie bereits erwähnt, eine detaillierte Karte von Istrien im Zelt zurück gelassen
wurde. Man folgte der Tatsache, das die Sonne im Westen untergeht, und da im Westen die Küste
liegt, versuchten wir, so fern es möglich war, Straßen in diese Richtung einzuschlagen. Dies gelang,
bis die Straße, die unsere Richtung verfolgte, ein Schotterweg wurde und alle kürzlich abgebogenen
Straßen sich als Sackgassen und ähnliches entpuppten. Man fand heraus, dass der besagte
Schotterweg eine Straße sei, die noch gebaut werden muß. Somit versuchten wir unser Glück und
erprobten unsere Wagen auf dem ca. 5 km langen Schotterweg, dummerweise mußte ich hinterher
fahren und mein Auto wurde ein genebelt. Schließlich trafen wir auf dem besagten 5 km ein uns
entgegenkommendes Fahrzeug, was die Befürchtung auslöste, es sei vielleicht doch eine Sackgasse
und es käme zurück. Da es aber einheimischer Abstammung war, konnte der Zweifel in Hoffnung
verwandelt werden, und siehe da, wir erreichten eine Asphaltstraße, auf der wir sicher in
Küstennähe gelangten.
Und wieder wurde es Morgen. Bei einer leichten Brise und nicht allzu großer Wärme konnte man
leicht bis Nachmittag im Zelt ausharren. So gesagt, so getan machten die ersten gegen zwölf
Frühstück. Alles verlief wie gewohnt und bis auf die fehlende Sonne war es ein Mittag, wie so
manch anderer davor, als sich drei slowenische Schönheiten ohne Begleitung nicht weit von uns
entfernt niederlassen wollten. Diese willkommene Abwechslung zog die Aufmerksamkeit aller
anwesenden Männer zum Leidwesen eines Mädchens auf sich, welches kurzer Hand aufräumen
geschickt wurde. So, und nicht anders, frönten die Männer den Aufbauaktivitäten des attraktiven
Trios und schon bald wurde dieser und jener um seinen Sitzplatz beneidet. Als sich die Schönheiten
schwerlich abmühten und obwohl das die männlichen Zuschauer nicht sonderlich kümmerte,
beschloss man dem vergeblichen Treiben des Herings in den Boden durch Stein und Axtschläge ein
Ende zu bereiten und den ersten Grundstein für ein gemeinsames Nebeneinander, vielleicht auch
übereinander zu legen: man, oder besser ich bot einen Hammer an. Diesen dankbar annehmend
wurden erste nähere Blicke getauscht und man befand den ersten Anschein für zutreffend: Sie sind
allein und schön. Bald darauf erhielten wir den Hammer zurück, wobei ich mich fast vor ihre Füße
geworfen hätte,... da ich stolperte.
Die Einreise nach Kroatien stellte uns vor unerwartete Probleme.
Ca. 8.00 Uhr, als wir den Zollbeamten mit breitem Grinsen unsere Ausweise entgegenstreckten, bat
dieser uns nach kurzer Überlegung doch einmal rechts ran zu fahren. Wir, dem Erbrechen nahe auf
diese nicht abzureißende Pechsträhne, taten, was uns befohlen, und nach weiterer nicht kurzer Zeit
des Wartens kam ein Beamter, seines Zeichens Polizist und bat die Fahrer/Halter der Wagen mit
ihm zu kommen. So folgten Thomas, Thorsten und ich dem Polizist im feinsten Gänsemarsch in
ein kleines stickiges Büro und mussten eine Belehrung über uns ergehen lassen, deren Inhalt
folgendes auszudrücken versuchte:
Hätten wir Rauschmittel, wie Marihuana, Kokain, Heroin, etc. bei uns, so sollten wir diese abgeben.
Deutschland mit all seinen Behörden und Institutionen würde davon nichts erfahren. Würden wir
dieser Aufforderung nicht nachkommen, so werde der Polizist eine Durchsuchung unseres Habes
ansetzen und auch vor dem Einsatz eines Drogenhundes nicht halt machen, 'und der findet, egal wo
versteckt, verstehst du ?'. Sollte dadurch etwas gefunden werden, so hätten wir jede Menge
Probleme; die Botschaft, die Polizei in Deutschland, etc. erfahren davon, wir kämen ins Gefängnis
für mindestens. 9 Monate. Würden wir abgeben, was wir hätten, so würde keine Durchsuchung
erfolgen und wir könnten weiterfahren.
Derart eingeschüchtert konnten wir bloß noch nicken, sei es auf die Frage, ob wir verstanden, oder
etwas dabei hätten. Und somit gestand Thorsten als erster, ich versuchte cool zu bleiben, obgleich
mein Herz in der Hose hing und Thomas konnte reinen Gewissens verneinen.
Und so zogen der Polizist und Thorsten los, um das Gras zu holen, welches Thorsten illegal über
die Grenze zu bringen gedachte. Derzeit gingen mir tausend Gedanken durch den Kopf. Würde der
Polizeihund mein Gras in der Sonnenmilch finden ? Waren die Beamten so clever dem Hund zu
glauben und die Sonnenmilch aufmachen? War das alles bloß Bluff und Einschüchterungstaktik ?
Schwere Fragen in einer schweren Situation. Ich kam zu dem Schluss, dass ich nicht Willens bin
den Urlaub für mich oder die anderen noch weiter hinaus zu zögern und gestand, als der Bulle und
Thorsten wieder kamen, dass ich ja auch noch was hätte, und so zog der Polizist und ich los, um
mein Gras zu holen.
Als ich die Sonnenmilch versuchte zu öffnen, hoffte ich, dass es mir gelängen und nicht allzu lange
dauerte. Ich zog das Röllchen aus der Tube, das ich mit Klebeband umwickelt hatte. Es war mir fast
peinlich, als ich sah, dass sich das Klebeband in den 4 Tagen abgelöst hatte und mein Gras fast
völlig durchtränkt war. Ich gab es dem Polizist mit Daumen und Zeigefinger, der es wiederum mit
Daumen und Zeigefinger entgegen nahm.
Als nächstes folgte eine endlose Zeit des Wartens, öfters unterbrochen von Befragung zur Person,
Befragung zur Familie, Befragung zum Dope und Befragung der Anderen, das ich leider nicht mehr
in chronologisch wiederzugeben weiß. Erwähnenswert ist noch, dass Thorsten aufgrund seines
Alters von zarten 18 das Dope von 0,2 Gramm, welches erst von einem zweiten Polizisten
festgestellt werden konnte, an Thomas übertrug, da sonst der Schreibaufwand für die Polizisten zu
hoch gewesen wäre. Ich selbst musste feststellen, dass ich 1,6 Gramm mit mir führte. Ca. 10.00 Uhr
bekamen wir dann die „Lizenz zum Weiterfahren“ in Form eines Wisches, dass wir unsere illegalen
Drogen abgegeben haben. Letztenendes sind wir in Porec, unserem vorersten Zielort angekommen
und hielten Ausschau nach becampbaren Campingplätzen. Viel war nicht mehr vorhanden von dem
Enthusiasmus, der uns durch die Nacht über 1000 km gen Süden trieb, und so war niemand wirklich
zum Campingplatzsuchen zu begeistern. Darauf ist es auch zurück zu führen, dass wir eine
Begehung des ersten Platzes komplett abbließen, nicht zuletzt wegen der pompösen Sportanlagen
und auf Massentourismus ausgelegten Infrastruktur. Also setzten wir uns wieder in die Autos und
folgten den Hinweisschildern zum zweiten Campingplatz. Auch dieser sagte uns nach näherer
Betrachtung nicht zu.
Aller guten Dinge sind drei, und so kamen wir an einen Campingplatz, der uns erstens freundlich
empfing, zweitens mit Schatten reichlich gesegnet war und drittens hoch löbliche Sanitäranlagen
aufweisen konnte. Somit entschlossen wir uns zu bleiben und, dessen nicht genug, gleich zwei
Stellplätze zu mieten. Die Spiele mögen beginnen.
Nach einiger Zeit erkannte ich, dass es sich ebenfalls um ein Iglu-Zelt handelte, dich stand der
Boden wirklich unten ? Andere fachsimpelten, ob es vielleicht für den bergigen Raum konzipiert
ist, wieder andere meinten, es sei Kunst und zogen als Schöpfer Picasso und Hundertwasser in
Erwägung. Doch letztendlich bewegte uns alle eine Frage: Was ist nötig, um es zum Einsturz zu
bringen ? Eine Frage, die noch lange debattiert wurde, zeitweise mit praktischen Versuchen
analysiert wurde.
Der Zeltaufbau konnte, mehr oder weniger, abgeschlossen werden, und je mehr heimische Dinge
ihren angedachten Platz einnahmen, um so wohler fühlten wir uns. (Wir waren so nah dran, uns
komplett zu fühlen...)
Es war an der Zeit den Strand genauer zu inspizieren: Wir fanden schönes klares Wasser, Wiese,
Schatten, nicht weit entfernte Inseln, aber keinen Sand. Im Gegenteil; Steine, überwachsene Felsen,
riffähnliche Gebilde. Nicht, dass uns das verwundert hätte, aber hoffen kann man doch. Endlich
hatten wir uns entschlossen im höchsten Grade entspannende Positionen einzunehmen und diese so
lange wie möglich zu halten.
Nach einiger Späherei in einer Art Altstadt mit netten, engen Gässchen und einer Kirche fanden wir
doch tatsächlich noch den Hafen, ein Gebiet wahrscheinlich genau so groß, wie die Altstadt, aber
nicht wirklich groß. Hier herrschte reger Trubel, da gerade Fischerfest war. Man hätte meinen
können, dass nahezu alle Leite aus der (maximal) 1000 m entfernten Altstadt gekommen sind, und
alle haben ihr Auto mitgebracht. Wir bestaunten diese Dynamik, einem Ameisenhaufen gleich,
schwammen, mit einer gewissen Eigendynamik, mit, bis wir einen geeigneten Platz zur Rast und
Nahrungsaufnahme erspähten, uns niederließen und dem Treiben mit relativer Distanz zuschauten.
Wir aßen erstaunlich gut und ich konnte zum ersten mal die von meinem Paps so hoch gelobten
Wagenrad-Pizza bestaunen, die ironischer weise für die zierlichste Person aus unserem Kreise
bestimmt war: Caro. Sie schaffte etwas mehr als die Hälfte, doch keiner fühlte sich im Stande ihr zu
helfen. Und auch Nad und Julian taten nicht gerade viel für das Aufrecht erhalten des bisher so
guten Wetters, doch der Sonnengott war durch nichts zu erschüttern und so zeigten wir unser
Wohlwollen darüber, in dem jeder einmal mehr ins Wasser ging als sonst. Aber der Samstag begann
ganz anders: Nämlich hatten sich über Nacht klammheimlich Wochenend-Urlauber in ihren
Behausungen eingenistet und es begann am Morgen die Tyrannei der Kinder und Fußball liebenden
Männer gleichermaßen.
Und hier ungefähr sind wir eingestiegen, nur dass seit der zeit des ersten Striches und jetzt ca. ein
Tag vergangen ist und ich somit die Geschichte in der Vergangenheitsform weiterführen werde.
Wir hatten beschlossen den Abend am Strand bei Sonnenuntergang ausklingen zu lassen. Hierfüre
Utensilien wie Bongos und Gitarren waren sehr zuträglich und machten es zu einem gelungenen
Abend. Schneller, als man sich's versah, ward es Sonntag und neues Bier mußte auch geholt
werden. Im Verlauf des Mondes verschwanden immer mehr Leute aus ungeklärten Ursachen, bis,
als der weitere Biervorrat aufgebraucht , die verbliebenen drei gegen drei Uhr den Heimweg in die
Zelte antraten.
Der Abend, so hatte man demokratisch beschlossen, sollte noch einmal im Ortli Vrsar verbracht
werden. Und so verließen alle ihre Entspannungshaltung und machten sich ausgehfein. In Vrsar
angekommen folgten alle der mit dem größten Loch im Bauch, die im „Buffet-Sport“ zwar einen
Salat aß, doch auf Weißbrot zur Beigabe verzichten musste. Spekulationen derer, die dadurch
geschädigt waren, hatten als Ergebnis, dass die Betreiber uns übel nahmen, beim ersten Besuch
dieser Lokalität alles Weißbrot für den nächsten Morgen mitgenommen zu haben.
So fanden wir auch das wohl teuerste Lokal der ganzen Strandpromenade. Dies drückte unsere
Stimmung, auch weil das Essen, obgleich doppelt so teuer, gerade halb so gut, wie in zuvor
besuchten Restaurants war. Dafür standen so exotisches Zeugs , wie Trüffelgelumb und
Hassenichesehn-Muscheln auf der Karte, was sowieso niemand ißt.
Um des Verdauens Willen schlenderten wir anschließend an der Promenade entlang und suchten
Sonnenbrillen, Gonglierbälle, Klappstühle, Briefkästen und ein süßes kleines Café. Wir fanden also
Sonnenbrillen und ein kleines Café, in dem wir uns so gut es ging unserer jeweiligen
entspannendsten Haltung an nahmen. Leider mochte die allgemeine Stimmung keine Anhebung
erfahren. so dass wir dann gefahren sind; zurück auf den Zeltplatz. Dort nahm dann jeder die für ihn
entspannendste Haltung an, und bei Bier aus Dosen und mehr oder minder interessanten
Gesprächen wurde der Abend beendet.
Jedenfalls hat das Unwetter aufgehört und es war angenehm temperiert, so dass dem Ausflug nach
Pula nichts mehr im Wege stand. Gegen Abend setzten wir uns dann in Bewegung und ca. 1 Stunde
später kamen wir an unserem Ziel an. In Pula wurden einige Erinnerungen in mir wach: das
Kolloseum mit seinen 8 Kuna Eintritt, was ? 16 Kuna ? ach so, damals gingen wir noch als
Studenten durch. Der riesige Hafen, in dem nur Frachtschiffe geankert hatten, war überfüllt von
Touri-Kuttern und deren zwiespältigen Kapitänen und Skippern, die einen für Geld bestimmt
überall hin brachten. Der Marktplatz, der seinerzeit unter Wasser stand, genau wie viele Straßen, da
es jeden Tag geregnet hatte.
Gerne gesehen hätte ich noch den Park, in dem wir damals unsere Regenklamotten abgestreift,
...und das kurze Zeit später bereut hatten. Doch stellte ich es ungeschickt an. Ich hätte die vielen
Treppen nicht erwähnen dürfen, die wir erklimmen mussten, um ihn zu erreichen. Der Grund,
weswegen wir ja eigentlich nach Pula gefahren sind, war der, dass wir mit einer Fähre oder
ähnlichem auf eine Insel übersetzen wollten, auf der wir dann Nad's Eltern und Bekannte, „Camp
Harmony“, begrüßen hätten können, die zur selben Zeit in Kroatien, aber an anderer Stelle
verweilten. So hätte ein Treffen arrangiert werden können. Leider lief von Pula nur ein Schiff mit
unserem Ziel aus, welches aber nicht am selben Tag zurück kam, was für uns zur Folge gehabt hätte
eine Nacht auf der Insel zu verbringen. Dem Gemeinwohl zu Gute wurde schließlich auf das
Treffen verzichtet.
Als nächstes brauchten wir noch Bier/Alkohol. Nun erwies es sich als ziemlich schwierig einen
Lebensmittelladen zu finden. Irgendwie hatten sowieso viele Läden zu. Und so düngte uns, dass
wohl ein hiesiger Feiertag dafür verantwortlich sei. Somit ergaben wir uns unserem Schicksal und
suchten einen kleinen Trödelladen, in dem wir vier Flaschen Wein und eine Zauberflöte erstanden.
Anschließend begaben wir uns zurück zum Platz am Forum, wo schon bei unserem ersten
Durchgang Vorbereitungen zu einer Art Konzert liefen. So vernahmen wir während unserem
Abendessen intensive Proben und Einstimmungen des Orchesters und wurden zum Dessert mit
nicht geringer Überraschung mit Jazz bis Swing beglückt, so dass wir uns entschlossen noch etwas
länger als geplant zu verweilen.
Auf dem Heimweg fielen wir erneut auf die gekonnte Ausschilderung rein, obgleich wir größeren
Schaden durch vereinten Hirnschmalz abzuwenden vermochten.
Letzenendes hat er es doch geschafft und alle waren froh, Thorsten wieder an Land zu sehen.
Die Nacht wurde schwärzer und damit auch kühler, ein nie vorher da gewesenes Phänomen, dass
uns nacheinander in die Zelte zwang, uns dort aber einen angenehmen Schlaf bereitete.
Als wir dann auf eine Straße einbogen, die unmittelbar zu unserem Campingplatz führte, weiteren
Verirrungen somit vorbeugte, entschlossen wir uns die Autos abzustellen und endlich etwas zu
essen. Die Speisekarte bot eine große Auswahl, doch das sollte uns nicht hindern uns auf fast nur
eine Speise, dafür aber in sämtlich denkbaren Variationen zu beschränken. Am Ende bekamen wir
alle etwas anderes, aber niemand, bis auf Thomas, das, was er wollte. Hätten wir die verschiedenen
Sachen, die wir auf den Tellern hatten, untereinander getauscht, wären wohl mehrere zu dem
gekommen, das sie wollten. Aber so viel Pingeligkeit wollten wir dann doch nicht an den Tag
legen. Somit gab sich jeder mit dem zufrieden, was seinem Wunsche und denen der anderen am
nächsten kam. Der Abend fand wieder in einer gemütlichen Runde bei Bier und Wein sein Ende,
aus der sich von Zeit zu Zeit einer verabschiedete.
Man sah dem Treiben der drei noch ein Weilchen zu und erkannte, das es auch Menschen sind.
Wenig später wurden unsere über den ganzen Morgen genährten Befürchtungen war. Es begann zu
regnen. Alles halb so wild. Zwei der vier Zelte hatten ein gewaltiges Vorzelt, in denen auch rasch
alles verstaut war, inklusive der Personen. Man saß gemütlich beisammen, rauchte und aß saure
Gurken, sowie Knäckebrot mit „Nutty“ und freute sich, dass man nicht nass wurde. Zu früh gefreut.
Aus dem Regen wurde ein Wasserfall von anhaltender Dauer. Schnell bildeten sich kleine Bächlein
auf dem Boden, die das Wasser wie verabredet in die Zelte leiteten. In kurzer Zeit hatte man ein
Wasserbett, einen Swimmingpool auf dem Vordach, eine Dusche und alles vereint. Jeder bemühte
sich um Schadensbehebung, doch großteils war es nur Schadensbegrenzung. Und Thorsten, der von
allen am lautesten schrie, „Bei mir ist alles trocken, mein Zelt hält! “, schaffte wenig später sein
wichtigstes Hab ins Auto und flüchtete ins Freie. Er wollte an den Strand, das Meer beobachten.
Höchstwahrscheinlich war es dort trockener als in seinem Zelt. Der Abend nahte und nach immer
wieder kehrenden Schauern schien es allmählich abzuklingen. Eine Begehung des Platzes zeigte,
dass es hätte schlimmer kommen können, sogar für Thorsten. Wir beglückwünschten uns selber zur
mehr oder weniger gelungenen Taufe, bzw. Wasserung.
Da durch den Regen auch die Option des selber bekochens weg fiel begaben wir uns ins vertraute
„Buffet Sport“ und nahmen dort unser Abendessen ein. Als wir uns wieder in eine gemütliche
Runde vor unseren Zelten begeben wollten, wurde diese nur kurze Zeit später von erneut
einsetzenden Regen gestört. Wir verlegten daher die Runde ins Vorzelt von Nad und Tommi, wo
wir uns alle einmal etwas näher kamen.
Es erschien mir gar nicht lang, da war der Morgen da, aber so richtig hell war es nicht. Sollte etwa
immer noch ein Regen verhangener Himmel die Strahlen der Sonne trüben ? Ein Blick auf die Uhr
belehrte eines besseren. Es war gerade halb sieben und da sah ich auch schon die ersten
Sonnenstrahlen den Weg in mein Zelt finden. Der Tag war gerettet. Doch zuerst musste ich noch
die Tortur überstehen, weswegen ich um diese unselige Zeit keinen Schlaf mehr fand. Unser durch
und durch österreichischer Nachbar bereitete sich auf die Abreise vor und packte ohne Rücksicht
auf eventuell noch schlafende, wer schläft schon um diese Zeit, sein Hab zusammen, fuhr
schließlich eine ¾ Stunde später ab und verpestete mir zum Abschied mit seinen ungefilterten
Dieselabgasen das Zelt. Ungeachtet dessen begann der Tag, wie auch schon viele vor ihm
begannen.
Alle quälten sich nacheinander aus ihrem Zelt, Zigarette, Kaffee, Klo. Bis auf Thorsten. Er
übernächtigte in seinem Auto. Das war vielleicht nicht bequemer, aber sicher trockener. Und so
begann er auch gleich nach dem allmorgendlichen Ritual mit der Schadensbeseitigung. Einige
schlugen zwar vor diesen Aufwand zu unterlasse, Thorsten für den Rest des Urlaubs im Auto, oder
einem der Vorzelte ein zu quartieren und sein Zelt als Schlammketsch-Arena für die Sloweninnen
zu gebrauchen, doch letztendlich verlief sich diese Idee im Schlamm. Thorsten legte also sein Zelt
trocken und wir, die schadenfroh witzelten und tuschelten, guckten zu. Man kann nicht sagen, dass
es uns wenig amüsiert hätte, wenn beim sauber machen des Zeltes das selbige eingefallen wäre.
Man meinte, er solle nicht zu arg putzen, vielleicht ist es tragender Dreck. Doch Thorsten belehrte
uns eines Besseren.
Für den Abend war ein Ausflug nach Porec angesetzt. Lange wurde deswegen hin und her
debattiert, die Für und Wider für und gegen diese Bewegungsart abgewägt, woraus sich letztendlich
ergab, das Caro und Julian allein nach Porec fuhren. Für den Rest hatte Faulheit und Trägheit
höhere Priorität. Also besuchten die dagebliebenen einmal das „Buffet Sport“ und freuten sich, dass
es nicht soweit weg war. Den Verdauungsspaziergang beschloss man als einen Besuch der in
Prospekten und auf Karten oft gesehenen und oft gepriesenen Wasserrutsche auf der
sagenumwobenen anderen Seite der Bucht, die sich Valkaneda zu eigen machte. Dort angekommen
und nach kurzer Inspektion zweifelten wir ob der Funktionstüchtigkeit. Die Frage, ob vielleicht
Ebbe wäre, entbehrte jeglicher Antwort, die auch kurzer Hand nicht gegeben wurde.
Leicht beeindruckt von den Vorgärten, die sich die Dauercamper angelegt hatten, begab man sich
auf den Rückweg. Nachdem man wieder an den Zelten angekommen war, zeichnete sich nach
einem kurzen Blick ins Auto der Porec-Besucher, die man beim Spaziergang auf ihrem Rückweg
antraf, ab, was Julian erstanden hatte und womit er uns für den Rest es Urlaubs vergegenwärtigen
würde; ein ca. 1,70 m langer Potenzstab, seines Erachtens Digeridoo genannt. Kaum gesehen, schon
gehört. Julian, erfreut, wie ein kleiner Schuljunge bei seiner ersten Eins, blies ohne Unterlass in das
Rohr, und wenn atmen kein Reflex wäre, hätten wir aller 2 Minuten Wiederbelebung an ihm üben
können. Aber alle freuten sich über Julians Ehrgeiz und stimmten, soweit möglich und dazu bereit,
mit weiteren Instrumenten ein. Hierbei nicht zuletzt, um die Sloweninnen zu übertönen, die ,
welche sowieso all unseren Erwartungen trotzten und sich als Alltagstussies entpuppten, lautstark
Shakira aus dem Autoradio schreien ließen und, als ob das nicht genug wäre, auch noch selber mit
kreischten und jede ihre eigene Choreografie zu hopsen schien. Ich dachte, das ist also die
Zielgruppe von „RTL II“ mit Sendungen wie „Popstars“. Gott sei Dank, das Autobatterien leer
werden. Kurze Zeit später war dieser Unsegen auch vorbei, gleichsam unsere Spielwut. was unsere
Finger und Lippen ihren Eigentrieb überließ, darauf hin aber diese im Zaum zu halten unser einzig
Begehr war. So flossen die Bier und Später der Wein, als hätte man's verdient und ebenso wurden
auch die Ruhestätten aufgesucht.
Der Sonntag begann nicht wirklich anders als so mancher Tag vorher begann. Ich stieg als erster aus dem Zelt, blickte nach links und sah zwei Gesichter, die mich wie eine urteilende Jury ansahen. Vor meinem geistigen Auge hielten sie noch Haltungsnoten hoch, die meinen gekonnten Ausstieg bewerteten. Nach und nach krochen die anderen aus ihren Zelten und besannen sich ihres Urlaubszieles. Nach Kaffee und Zigarette suchte man sich den Sinn des Sonntags ins Gedächtnis zu rufen. Es war der Tag des WM-Finales und aus diesem Grund aßen fünf von sechs im "Buffet Sport", weil da ein Fernseher stand und das Endspiel genau in die erste Mahlzeit passte: 13.00 Uhr. Doch nicht nur wir, sondern auch etliche andere Campingplatzbesucher hatten dieses Anliegen, so dass wir uns etwas eher dort einfanden, dennoch zu spät. Unser Platz war mittelmäßig und eigentlich für vier Personen noch zu klein. So aß man mehr schlecht als recht, und die sich bald einstellende Langeweile zwang mich zur Bezahlung mit anschließender Flucht. Der Verlauf des Spieles wurde auch für Nicht-Fußball-Fans ausreichend kommentiert, da bei jeder Torchance ein jammerndes Raunen nebst ausgetrockneter Strohballen durch die Wege zogen und bei Toren lautes Urgeschrei hörbar wurde, so dass sich sämtliche Vögel im weiten Umkreis aus den Baumwipfeln erhoben und fluchtartig die Gegend verließen. Das passierte zwei mal, somit auch der Ausgang des Spieles die Brasilianer als Weltmeister hervorgehen ließ. Es dauerte auch nicht lange und die Zuschauer unseres Kreises, die das Spiel bis zur letzten Minute verfolgten, kamen zurück und wieder erhob sich die Frage, ob man denn am Abend nach Porec fahren sollte. Kurze Zeit später hatte man auch schon die Antwort darauf: „Lieber erst morgen, da Sonntag ist und Sonntags keine Geschäfte auf haben.“ Diese Alibi-Lüge wurde von der Allgemeinheit toleriert, trotz das jeder wusste, dass in Touristen-Ländern die Arbeitszeiten etwas anders , sogar viel anders sind, als die in Deutschland. Doch das Thema ward schnell abgetan und man entschied Minigolf vor zu ziehen. So kochten die, die dran waren, und das, wie immer vorzüglich. Man speiste und nach kurzer Verdauungsanregung setzten wir uns in Bewegung den Minigolfplatz auf zu suchen. Schnell hatte man auch die Schläger und genügend Bälle erhalten, und es konnte begonnen werden. Der Regeln nicht wirklich mächtig beschloss man dahingehend flexibel zu bleiben, als dass für jeden Spieler Vor- oder Nachteile entstehen. So musste jede Schikane zumindest probiert werden und beim 6. Fehlversuch durfte von der Stelle, an welcher der Ball zum stehen gekommen war, weitergespielt werden. Dies erhöhte den Spaßfaktor ungemein, veranlasste uns jedoch wenig später die maximale Anzahl an Schlägen auf fünfzehn zu begrenzen, um der Verzweiflung weit möglichst aus dem Weg zu gehen. So schafften wir es doch nach einiger Anstrengung und ein Verlierer konnte ermittelt werden, welcher mit der Schriftführerin als nächstes für sauberes Geschirr zu sorgen hatte. Seinen Ausklang fand der Abend am Strand, mit einigen instrumentalen Experimenten und, als die erste Flasche Bier leer war, anschließendem „Wahrheit oder Pflicht“, welches ein immer lukratives Spiel ist, da nach dem Gesetz der Stochastik die Anzahl der Amusements gleich (die Anzahl der Mitspieler minus 1) mal der Anzahl der Runden ist. Doch war mir doch vorher schon bewusst, dass die Gesetze der Stochastik in meiner Umgebung außer Kraft gesetzt sind und dafür Murphy's Gesetz gilt, aber wer keine Geheimnisse hat, der hat auch nichts zu verbergen. Man wurde des Spieles langsam überdrüssig, zu mal auch das, was in Erfahrung gebracht werden wollte und sich fast ausschließlich um Intimitäten drehte, in Erfahrung gebracht werden konnte. So verließ einer nach dem anderen den Strand und fand den Weg in sein Zelt.
Und wieder war Montag. Es begann sich ein gewisser Trott einzustellen. Gelegentliche Spitzen
führten zu leichten Depressionen, auch meinerseits und so entschloss ich vorerst allein meinen
Wünschen nachzugehen, was sich für mich als weise Entscheidung herausstellte. Ich verbrachte den
Tag mit Lesen, Yoga-Übungen, oder zumindest Entspannungsübungen, und verfeinerte meine
Sinne, in dem ich versuchte Körper und Geist in Einklang zu bringen, welche in letzter Zeit doch so
in entgegengesetzte Richtungen strebten. Gegen Abend wollte man einmal der Seefahrt frönen und
wir liehen uns einen Wassertreter aus. Tommi, Thorsten, Nad und ich, wir rissen uns nicht gerade
um die beiden Tretvorrichtungen, doch der Sinn etwas auf ungewöhnlicher Materie in Gang zu
bringen zog mich unnachgiebig an, woraufhin sich Thorsten vermutlich höchst ähnlich beeinflusst
das zweite Pedalenpaar schnappte. Somit oblag es den anderen Beiden ihr Gewicht so zu verteilen,
dass man halbwegs waagerecht im Wasser lag. So schipperten wir mit Wonne hinaus aufs Meer und
ließen uns bereitete Grenzen in Form von Bojen und Strickgeflechten hinter uns, in dem wir drunter
durch fuhren. Vom Wasser aus schauten wir uns den Küstenstrich des Campingplatzes einmal
genauer an, doch drängte es mich weiter hinaus zu fahren und wenigstens einmal in diesem Urlaub
ins Wasser zu springen. Nun, ich tat es dann mehrmals, auf nahezu jede erdenkliche Weise,
entgegen allen Bedenken der mitfahrenden. Als wir am Ende unserer erkauften Wassertreterstunde
angelangt waren, begaben wir uns auf den Rückweg, jedoch nicht ohne Nad immer wieder allein
auf dem Wassertreter zu lassen und durch ungeschickte Aufsteigtechniken, die das Gefährt ins
Wanken brachten, ihr das Gleichgewicht zu rauben. Man hatte also dem kindlichen Gefühl
nachgegeben und sich mehr oder weniger austoben können.
Da auch Montag war und Porec doch nun tatsächlich in die Tat umgesetzt werden sollte, begann
man mit der Ausgehfeinmachung und setzte sich in Bewegung. In Porec angekommen hielt man am
erstbesten „Konzum“ um sich für den späteren Abend provisorisch mit Alkohol einzudecken. Hinzu
kam, dass uns die alkoholfreien Getränke mit Geschmack ebenfalls zur Neige gingen, so dass auch
hier Abhilfe geschaffen werden musste. Anschließend stürzten wir uns ins Getümmel, welches ganz
anders als das bereits erlebte die Sinne reizte. Wo man noch leere Gässchen in malerischsten
Konturen bestaunen konnte, wo man auf dem Pflaster der Straßen durch kürzlichen Regen das
Abbild der altertümlichen Häuserfronten, da drängelten sich Touristen, Trödelverkäufer und
Softeisartisten und ließen nichts von dem rustikalen Reiz der Stadt, so wie sie sich vor ca. 3 Jahren
in meiner Erinnerung einprägte. So drängten wir uns durch die Massen und schon fehlte Julian.
Nicht, dass uns das verwundert hätte, doch besorgt hätte man auch trotz dessen sein können.
Schließlich fanden wir ihn, oder er uns, und da er nur mitgefahren war, um Geld zu holen, lief er
kurzerhand nach Hause, sprich 12 km zum Zeltplatz, nach dem er sein Vorhaben erledigt hatte. Da
diese Stimmungswandlung keinen von uns wirklich neu war und keiner in Grübelei um sein
Verhalten verfallen wollte, machte man sich auf den Weg ins Stadtinnere, um ein geeignetes Lokal
für das Abendessen zu suchen. Schließlich fand man ein nettes Örtchen, welches weit ab vom
Trubel in einem kleinen Gässchen lag. Hier ließ es sich sehr gut speisen und nachdem unseren
Wünschen genüge geleistet wurde, begab man sich um einiges träger auf den Rückweg, welcher
nicht minder mit Menschen angefüllt war. Dennoch schafften wir es zu den Autos, wenig später auf
den Campingplatz und noch ein wenig später in die Zelte.
Es wurde Dienstag, und der Himmel verhieß nichts Gutes. Es war trüb und die Sonne offenbarte
ihren Standpunkt nicht. Aufkommender Wind ließ uns gar nicht erst hoffen es könne besser werden.
Also kam man auf die Idee diesen Tag mit einer Ausfahrt nach Rabac zu nutzen. So machte man
Mittag mit gewohnter Dosenfutter-Zeremonie und als dann auch noch Tropfen von Wasser aus dem
Himmel unsere Haut zu benetzen begann, verlieh uns das gleich umso mehr Antrieb, weil wir
dachten nach Rabac auch in heiteres Wetter zu fahren. Also machten sich fünf auf den Weg, Julian
wollte noch ein bisschen allein sein, und bis an die Zähne bewaffnet mit Karten und Atlanten, in
denen sogar „Karrenwagenwege“ eingezeichnet sind konnte man sich gar nicht verfahren, auch
wenn man es gewollte hätte, zu mal auch alle Wege nach Rabac führen. Doch die Istrische
Verkehrsleitphilosophie belehrte uns eines Besseren:
Erstens: Eine von tausend Karten, natürlich genau die, nach der man sich orientierte, war alt. Somit
gelangten wir mißverständicher Weise auf eine Straße, die erst in Planung war. Dies erkannten wir
daran, dass die Abfahrten erst noch gebaut werden mussten, wodurch wir ca. 40km wissentlich in
die falsche Richtung fahren mussten.
Zweitens: Nicht alle Straßen führen nach Rabac, sondern nach Pula. Dies wurde uns ersichtlich, als
wir sahen, dass eine Hauptverkehrsstraße in der einen, sowohl auch in der anderen Richtung Pula
als Zielort auswies.
Und drittens : Sollte man einmal die freie Wahl unter zwei Routen haben, so sollte es einem nie
egal sein, welchen man von den beiden einschlägt. Man sollte immer darauf bedacht sein den
Schlechteren zu wählen und somit der Gefahr aus dem Weg gehen, dass man auf einer Straße fährt,
die kürzlich erst erbaut wurde und deshalb eventuell nicht auf den Karten verzeichnet sein könnte.
Durch Glück oder Zufall, wer weiß, kamen wir in Rabac an, wo ich provisorisch die Führung
übernahm, weil ich ja schon mal hier gewesen bin und mich auskennen müsste. Ich konnte nur
feststellen, was ich in den zuvor besuchten Städten auch schon feststellen musste, die ich schon mal
außerhalb der Saison besuchen konnte. Es waren bei weitem mehr Menschen zugegen und da, wo
Lücken in meiner Erinnerung waren, verstand sich mein Gedächtnis darauf diese herauszunehmen
und eine nahtlose Erinnerung zu generieren. So fehlte ein Küstenstrich komplett, was uns einen
Laufaufwand von ca. 1km bescherte, in meiner Erinnerung aber nur wenige Meter darstellte. So
wanderten wir also umher und suchten Sehenswertes, außer der Küste, konnten aber nur enttäuscht
werden, da die Küste entlang fast nur Hotels und Ferienapartments aufzeigte, und die Häuser, in
denen die ca. 300 Einwohner lebten einen Aufstieg erfordert hätten. Doch niemand ist ein Freund
von Treppen und so begnügten wir uns mit den Bars und Cafés, welche die Promenade zu bieten
hatte. Auch das, mit dem Wetter trug sich nicht so zu, wie wir es erhofft hatten und somit
entschlossen wir uns noch vor dem Abendessen zur Rückfahrt. Da wir nun dachten uns der Irrwege,
die Istrien für uns bereithielt vollends bewusst zu sein, beschlossen wir den einfachsten Rückweg zu
wählen und selbst hier wurden wir, zwar nur geringfügig an der Nase herum geführt. Ohne weitere
Vorfälle kamen wir am Campingplatz an, wo wir uns erst mal etwas zu essen machten und
anschließend, wenn auch schon während, entbrannte eine heiße Diskussion, über eine Begebenheit,
die sich in Rabac zugetragen hat, und an der ich keine Unschuld hatte. So versuchte ich ein
Kettchen zu klauen, im stolzen Wert von 2€, doch das missglückte, und stattdessen verlor ich 2€.
Lange debattierte man über Recht und Unrecht, Behörden und Selbstjustiz, Wirtschafts- und
Gesellschaftsformen ohne einen Konsens zu finden, außer dem, dass die Menschheit unreif ist, alles
versucht und nichts zu Ende denkt.
So ging auch dieser Abend zu Ende, doch noch nie vorher saßen alle so lange zusammen.
Und wieder einmal Mittwoch. Nun schon zum dritten mal, aber mit dem gleichen Enthusiasmus wie
das zweite Mal. man gedachte der vielen Tage, die man nun schon zusammen verweilte und sprach
über vergangene Erlebnisse, als seien sie schon Jahre vergangen. Die Blicke schweiften über den
Platz; nichts hatte sich verändert. Nach einer Weile bekam man Hunger. Diejenigen, welche laut
unserem Rotationsverfahren an der Reihe waren, veranlassten diejenigen, die laut
Rotationsverfahren abwaschen mussten, zum abwaschen. Wenig später konnte man von sauberen
Geschirr speisen und man wusste, dass für mindestens 3 Stunden keine Arbeit mehr aufkommen
konnte für welche man ausführende Personen braucht und von denen man eine sein könnte. So
verfielen alle wieder in ihr vom Essen unterbrochenes Tageswerk mit der selben Emsigkeit, jedoch
in der Mehrzahl horizontal, als vertikal.
Als die zweite Mahlzeit an stand, erbarmte sich Thorsten und ich das Gewicht auf der Rückfahrt
weiter zu verringern und wir machten uns zu zweit über den Familytopf Hühnersuppe her, während
die anderen vier eine neue Lokalität innerhalb des Campingplatzes besuchten, welche erst kürzlich
ihren Betrieb, höchstwahrscheinlich saisonbedingt, wieder aufgenommen hat. Als Thorsten und ich
mit dem überaus reichlichem Mal fertig waren, stand uns der Sinn nach etwas Aktivität, geistlich,
versteht sich. Mir fiel ein, dass Tommi sein Schachspiel mitgenommen hatte. Schon oft hatten wir
uns gesagt „Wir könnten ja morgen mal Schach spielen“. Ich habe das Schachspiel in den
vergangenen zwei Wochen nicht ein einziges mal gesehen. So gründlich wir auch suchten, an den
Stellen, wo wir uns hin wagten konnten wir es nicht erblicken. So gaben wir schließlich auf und
entschieden uns die anderen in der neuen Stätte zu besuchen.
Die Musik konnte man schon ganz gut von unseren Zelten aus hören und ließ im Hinblick auf Alter
und Weisheit keine Hoffnungen wachsen. Und in der Tat, als wir in Sichtweite waren, erblickten
wir Teenies, im Alter zwischen 14 und 18 Jahren, die an den reichlich vorhandenen Spielautomaten
und Billardtischen herum drückten und sich gegenseitig imponierten. Glücklicherweise brauchten
wir bloß vorbei gehen, denn hinter der Spielhölle á Miniatur befand sich unser eigentliches Ziel:
Eine Art Tanzcafé im Freien. Viele Tische, an denen sich Urlauber ihre Getränke in die Kehle
schütteten und eine Tanzfläche, der sich großteils nur Kleinkinder an nahmen. Wenn man als Eltern
seinem Kind zusehen kann, wie es zu abgedroschener Musik, wieder aufgewärmt, das Tanzbein mit
weniger Grazie, dafür umso mehr Agilität und Tollpatschigkeit schwingt, kann ich mir vorstellen,
wie die Augen dieser Eltern leuchten können. Doch ich mochte diese Musik nicht und ich mag
kreischende Kleinkinder nicht. Man mag es Befangenheit nennen, doch dieser werde ich mich
höchstens mit einem eigenen Kind entledigen können. Es wurde also Zeit zu gehen und den letzten
ganzen Tag anders zu genießen. Man machte sich noch einmal auf zum Strand und verbrachte den
Abend mit einer Art Abschied vom Meer, denn so, wie jetzt würde ich es mir am nächsten Tag
nicht vergegenwärtigen können. Und noch einmal Handstand zum Meeresrauschen, doch die Biers
machten sich schon bemerkbar, somit blieb es bei den Aufwärmübungen.
Der Donnerstag war in diesem Sinne der letzte Tag im Urlaub. Wir gingen es ganz gemütlich an.
Man plante, wie man das Geld für den Campingplatz auftreiben sollte, was heute schon gepackt
werden könne, ob man die Zelte zu hause nochmal aufbaut und die Reinigung beim Abbau weg
lässt, zumindest in dem Umfang, was sollten wir mitnehmen auf die Fahrt, doch am wichtigsten:
Würden wir vor 8.00 Uhr hier wegkommen ? Wir hatten nämlich leider einen Konflikt verursacht.
Im Laufe der letzten Tage kamen zwei verschiedene Parteien zu uns, die fragten, einmal auf
Englisch, einmal auf Deutsch, wann wir abfahren würden. Wir sagten beiden die Wahrheit,
vergaßen allerdings beiden voneinander zu erzählen. Somit war für uns klar, dass diese beiden
Parteien spätestens Freitag 8.30 Uhr, eher eher, aufeinander treffen würden. Und dieses Ereignis
wollten wir uns ersparen.
Am Abend verabschiedeten wir uns noch einmal von Vrsar. Wir besuchten ein Lokal, dass wir
bisher immer übergangen hatten und wurden von der Küche angenehm überrascht. Wir bestellten
fast alle zu viel, sogar ich, so dass wir auf jeden Fall satt „Auf Wiedersehen“ sagten. Zu guter Letzt
verabschiedeten wir uns noch von dem Bankautomaten, der uns das Geld für die Bezahlung des
Campingplatzes aushändigte. Wieder auf dem Zeltplatz angekommen packten wir schon einmal
alles, was wir nicht mehr brauchten zusammen und verbrachten den Rest des Abends in einer
gemütlichen Runde und gedachten der Erlebnisse, die wir zu sechst durchlebt haben und
entschuldigten uns noch einmal bei allen für eventuell übertriebenen Sarkasmus, doch das war
niemandem aufgefallen. Und so ging der Abend nicht so spät, wie sonst zu Ende.
6.30 Uhr war Weckzeit, die auch pingelig genau eingehalten wurde. Wir quälten uns aus den Zelten
und machten uns schleunigst ans Kaffeekochen. Leider ging das nur in zwei Schichten, so dass die,
welche später, und deshalb zu kurz gekommen sind schon mal mit dem Ausräumen der Zelte
begonnen hatten. Und schon war der Abbau im vollen Gange. Alles verlief ohne weitere
Komplikationen, da auch weniger wieder mit zurück genommen, als hergebracht wurde. Man denke
dabei an die fünf Paletten Bier, die unzähligen Futterkonserven, oder die Klappstühle, von denen
zwei ihren Lebensabend in Kroatien verbrachten. Zwischendurch wurde der Platz bezahlt und von
dem Restgeld holte man noch notwendigste Verpflegung für die Fahrt und sowie Zigaretten. Alles
in Allen waren wir kurz nach 8 Uhr fertig zur Abreise, und doch zu spät, um den beiden besagten
Parteien zu entgehen. Doch unser Konflikt sollte es nicht sein, wir erwarteten noch Tommi vom
Klogang zurück und machten uns davon.
Zur Rückfahrt gibt es im Großen und Ganzen nicht viel zu sagen. Wir hatten keinen Ärger an den
Grenzen, raus lassen tun sie dich immer, und da Julian und ich die Leithammel waren, konnten wir
uns auch nicht verfahren. So kamen wir sicher wieder in Glauchau an, und der Alltag konnte wieder
beginnen.
Ende