Livereport von der SaufWar 2000


ab Fr, 26.05.00

Nein, ich bin kein Schwarzseher. Schon aus Prinzip nicht. Aber an die RadWar2k bin ich trotzdem mit gemischten Gefühlen rangegangen: Erstens, weil ich keinen Bock drauf hatte, Richtung Dröseldorf zu fliegen und zweitens, weil das Teil einfach zu verlockend klang: In höchstem Maße prominente Gäste, jede Menge feierwütiges Volk, Democompetition, Saufgelage und dergleichen - da mußte ja was faul sein. Naja, ich will mal nicht zu weit vorgreifen. Fangen wir also ganz am Anfang an...

Freitag

10:42 Uhr: Ich zische zum Flughafen, um die Maschine nach Dusseldorf zu erhaschen. Überlege mir während der ganzen Fahrt geeignete Ausreden, die meine Verspätung möglichst glaubwürdig rechtfertigen. Lande schließlich bei der "Mein böser Doppelgänger wars!"-Theorie.

11:28 Uhr: Suche ein eines Vectra würdiges Parkhaus, werde schnell fündig - das, was dem Ausgang am nächsten ist, scheint mir geeignet. Hätte nur darauf achten sollen, dass die Deutsche BA nicht an Flugsteig A, sondern bei D hausiert. Fluche ob meiner Blödheit und suche mir einen Kuli, der mich trägt.

11:32 Uhr: Finde keinen, mache mich also selbst auf den Weg.

11:52 Uhr: Checke ein und unterhalte meine Mitstehenden mit ausgesucht bösartigem Schabernack. Meine innere Stimme sagt mir, dass mich die Hand Gottes dafür eines Tages plätten wird. Pfff..

12:32 Uhr: Langweile mich an Bord der Maschine und überlege mir, ob es der Stimmung zuträglich wäre, einen gefälschten Bombenalarm auszulösen. Springe jedoch von diesem Plan wieder ab, als mir mein Game Boy in den Sinn kommt.

13:35 Uhr: Bin mit "Super Mario Land 2" fast durch, habe zwei Tomatensäfte und einen Sprudel in mir und verspüre ein dringendes Rauchbedürfnis. Stille dieses außerhalb des Düsseldorfer Flughafens.

13:48 Uhr: Das Taxi war eine gute Wahl, da der Fahrer ein geflüchteter Student aus dem Kosovo ist, der hier seinen Geographie-Magister zu machen gedenkt und die Gegend nicht die Bohne kennt. Glücklicherweise hat er ein Navigationssystem, welches ihm mit unterdrücktem fränkischem Akzent den komplizierten Weg in die Mutter aller Pampas weist: Heinsberg/Dremmen, ca. 68 km vom Flughafen entfernt, oder umgerechnet 170 DM.

14:32 Uhr: Weine beim Anblick meines nun verwaisten Geldbeutels leise in mich hinein.

14:45 Uhr: Lache herzhaft, denn ich hab Premiere auf dem Zimmer. Welch ein Spaß. Ziehe mir gleich mal "Verrückt nach Mary" rein. Stelle fest, das dies von allen möglichen Tagen doch nicht der allerbeschissenste ist.

16:12 Uhr: Werde von Theo Küppers (einem der Organisatoren) abgeholt, der mir die Umgebung samt Festhalle zeigt. Bemerke, dass das Dorf Verwesungssymptome zeigt und verspeise erstmal lecker Gyros. Wandere nach Hause und genieße "Die Truman Show".

20:48 Uhr: Zische in die Disco "Las Palmas", in der heute abend die großephatteriesige Prä-Party-Party steigen soll. Löhne 8 DM für die 5-Minuten-Fahrt und verfluche den Taxi-Gott. Betrete das Gebäude nur um festzustellen, dass ich (abgesehen von den teils sehr schnuckeligen Angestellten; hallo Miriam!) der einzige drin bin. Versuche mich dem Rausch hinzugeben, aber die Ruhrpötter kennen
a.) Weißbiergläser nur aus Fabeln und
b.) keinen Neger (Cola-Weizen). Kämpfe wie ein Stier, um endlich ein vernünftiges Glas zu bekommen und ertränke mich.

22:34 Uhr: Bekomme statt eines Weißbiers ein Malzbier. Bin versucht, die dumme Tusse hinter der Theke zu erschlagen, belasse es aber bei einem abfälligen Kommentar bezüglich ihres Gehörgangs und IQ-Zimmertemperatur-Symbiosen.

22:59 Uhr: Will abhauen, treffe aber beim Rausgehen die gute Claudia Rieflin (CDV) samt Begleitung, die mir zunächst in warmen Worten weismachen will, dass mein Kreuz schon wieder breiter geworden ist. Wir unterhalten uns prächtig, der Alkohol wirkt, habe endlich Spaß.

23:45 Uhr: Trung Hiep Tran (Attic) erscheint breit grinsend und verteilt erstmal großzügig Sekt und Bier unter den Anwesenden. Ein guter Mensch. Unterhalte mich erstmal mit Andreas Escher (u.a. Grafiker von "Katakis") über vergangene Großtaten und derzeitige Projekte. Verspüre Durst.

00:42 Uhr: Bin relativ breit, aber Hiep läßt nicht locker: Die erste 20er Runde Bier war kein Problem, die zweite bekamen wir zu acht auch noch gut in den Griff, aber die dritte verlangt höchste Konzentration von Mensch und Hand-Auge-Koordination. Verzweifle. Nu is gut! Muß auch mal Schluß sein! Na gut, eines noch, das wars dann aber wirklich! Echt!

01:20 Uhr: Beschließe, dass es mir schlecht geht und trete den wankenden Rückweg an. Verabschiede mich herzlich und versuche dem Taxifahrer innerhalb von fünf Minuten die Heisenberg'sche Unschärferelation näherzubringen. Bin mir hinterher sicher, dass der Mann dumm wie Brot ist.

01:37 Uhr: Ausziehen ist schwerer als ich dachte.

01:42 Uhr: Premiere enttäuscht mich mit einem billigen Softporno höchst amerikanischer Machart. Traurig. Befrage meinen Magen nach seinem Zustand.

01:43 Uhr: Die Antwort liegt in der Kloschüssel. Finde das inakzeptabel. Schlummere mit dem Gedanken an summende Waldschrate ein.

Samstag

12:37 Uhr: Waldschrate verursachen Kopfschmerzen, soviel weiß ich jetzt. Bestelle mir ein extragroßes Frühstück samt Kaffeekanne. Versuche, alles auf einmal hinunterzubekommen, nur um festzustellen, dass sich Kaffee schlecht beißen läßt.

13:52 Uhr: Lasse mich zum Sportplatz kutschieren, wo ein Fußballspiel rivalisierender Gruppen läuft. Treffe hier auf George Zaal (GIGA), Raoul Birkholdt (Electronic Arts) sowie die schreibende Konkurrenz in Form von Joachim Hesse (PC Action) und Alexander Geltenpoth (dito). Mosere darüber, dass Joachim einen Kopf größer als ich ist und witzele, dass er einem gewissen Jesus nicht unähnlich sieht. Er lacht. Wo stecken denn die anderen?

14:22 Uhr: Schwatze mit George über diverse 3D-Shooter, Sportspiele und unsere Jobs. Der Mann ist gut drauf.

14:48 Uhr: Stelle belustigt fest, dass Kameras eine Art Magnet für Fußbälle darstellen. Erstaunlich, wie zielgenau so ein Lederball doch so ein kleines Ding treffen kann.

15:30 Uhr: Wir ziehen gelangweilt zur Festhalle. Dort erwartet uns eine lautstarke Schülerband samt dreier Fans, die sich an ihre Fahrräder klammern. Bemerke, dass der Musikgeschmack in dieser Gegend zum Töten animiert. Hannes Seifert (NEO) trifft ein und verbreitet gute Stimmung. Ich unterdrücke den Kommentar, dass er im Auto wie Kubiac aussah.. ;o)

16:00 Uhr: Wir ziehen uns in ein Lokal zurück, decken uns mit Getränkemarken ein (eine dankbare Idee..) und treiben den Alkoholpegel nach oben. Die Diskussionen tendieren sehr schnell Richtung Douglas Adams vs. Terry Pratchett. Finde ich begrüßenswert. Gut, dass alle bei der Sache bleiben.

17.00 Uhr: Die Halle wird offiziell eröffnet, wir bekommen unsere VIP-Bändchen, beglücken die Tombola und stürmen das Büffet. Kalte Hühnerbeine und Frikadellen. Doll.

18.34 Uhr: Die Halle füllt sich allmählich. George muß sich von hirntoten Nerds Fragen wie "Kennst Du Zak McKracken?" an den Kopf werfen lassen und versucht, den Schmerz mittels Alkohol zu verdrängen. Ich helfe ihm. Treffe Tom Putzki (Phenomedia) wieder und debattiere mit ihm über liebestolle Schwertkrieger, diverse Rasurmethoden sowie weiteren Krempel.

19:12 Uhr: Martin Hoffesommer (Soft Enterprises) kreuzt meinen Weg, wir unterhalten uns prächtig, spekulieren über Programmiernachwuchs und seufzen der guten alten Zeit hinterher. Habe ihn zum Oktoberfest eingeladen. Kurz darauf tritt ein Marylin Monroe-Double auf, was meinen Weg wieder zielgerichtet gen Bar korrigiert. Treffe auf die GZone-Boys (auch bekannt als Christian Pfeiffer, Marc Lutz und Daniel Nathem) . Instant-Spaß folgt :o)

19:38 Uhr: Treffe leicht angeheitert auf Natascha Romano, die die offizielle Lula für CDV mimt und (natürlich) Studentin ist. Stelle fest, dass sie nicht ganz so doof ist, wie ich zuerst dachte. Trotzdem vereint sie die Faktoren "blond", "schmollmundig" und "highheelig" in artgerechter Form miteinander. Bin stolz auf meinen Wortschatz.

bis einschließlich 20.30 Uhr: Junge Nervtots namens "The Invicible Spirit" belästigen die paar anwesenden Gäste mit erstaunlich schlechtem Akustik-Terror. Fluche über das hiesige Anti-Waffen-Gesetz und verziehe mich in Richtung Bar, wo die guten Leute lauern. Begegne meinen Jugendhelden Manfred Trenz (Ex-Turrican, u know?) und Teut Weidemann (Wings Simulations). Frohlocke.

21:23 Uhr: Die Democompetition ist gecancelt? Wegen zuwenig Einsendungen? Wie lustig.

ca. 22:02 Uhr: Natascha bemüht sich redlich, die sabbernden Nerds durch Körperakrobatik aus ihren Träumen zu reißen. Gelingt ihr nur teilweise. Wo war nochmal die Bar?

01:28 Uhr: Versuche meinem Körper klarzumachen, dass es jetzt Gehenszeit wäre. Hiep ist natürlich wieder mal anderer Meinung und füllt mich ab :o)

so gegen 02:00 Uhr: Beherrsche und schleiche mich. Lande lustigerweise beim selben Fahrer wie gestern, der auch heute nicht wesentlich aufgeschlossener gegenüber theoretischer Physik ist. Lache in mich hinein.

02:25 Uhr: Da Premiere wieder mal auf voller Linie enttäuscht, begebe ich mich in Morpheus' Arme.

Sonntag

11:48 Uhr: Frühstücke mit Simon Jacob (TV1.DE), der mir offenbart, dass er genauso spielebescheuert wie ich ist. Sehr sympatischer Typ.

13:12 Uhr: Bezahle zähneknirschend die Hotelrechnung, steige ins Taxi und lasse mich vom Fahrer die ganze Strecke lang über die Stichpunkte "Unterhaching vs. Leverkusen", "Oktoberfest", "Wetter" und "Familientragödien" aufklären. Spiele mit Harakiri-Gedanken.

14:02 Uhr: Kaffee Hag schmeckt in hohen Dosen auch nicht viel anders als der andere Krempel. Verspüre Koffein-Kick und kaufe mir einen Hägar-Band.

15:07 Uhr: Die Stewardess sorgt mit dem Spruch "Würde bitte der junge Mann mit dem privaten Pilotenschein nach vorne kommen?" für grosses Hallo und Fluchtversuche. Geistesgegenwärtig versucht sie die Situation mit einem gekonnten "Äääähm, keine Sorge! Unser Pilot kann fliegen!" zu stabilisieren. Was für ein Spaß.

15:22 Uhr: Auch der Pilot ist für manchen Schabernack zu haben: "Naja, so ganz angenehm wird der Flug nicht werden, aber ich denke, wir könnten alles im Griff haben..". Selten so gelacht. Schreibe in aller Eile eine Kurzversion meines Testaments nieder und widme mich erneut meinem Game Boy.

16:18 Uhr: Die Standgebühr fürs Auto kostet mich schlappe 84 DM. Schwöre, eine Handgranate aus Backpulver zu basteln.

18:07 Uhr: Rolle selbstverliebt zuhause ein und stelle fest, dass dieses Wochenende zwar menschlich und nach dem Saufgehalt gemessen zwar hervorragend, beruflich andererseits vollkommen für den Arsch war. Hoffe, dass die nächste RadWar auch das hält, was sie verspricht!